Barbara Niggl Radloff: Porträtfotografien im München der Nachkriegszeit

Porträtfotografien nehmen einen wesentlichen Teil im Werk von Barbara Niggl Radloff ein. Obwohl ihre Ausbildungsstätte, das Institut für Bildjournalismus in München, keinen eigenen Lehrstuhl für die Porträtfotografie unterhielt, widmeten sich Unterrichtseinheiten der Porträtfotografie und insbesondere dem Prominentenporträt. Die Fotografin sah ihren Anspruch darin, den „Individualist[en] als Gegenpol zur Schilderung des anonymen Menschen“ zu begreifen. Bei den von ihr porträtierten Prominenten handelt sich um Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die in lebensnahen und oftmals spontan wirkenden Situationen gezeigt werden. Dabei werden sie durch die Inbezugsetzung mit dem Umraum greifbar, wobei Barbara Niggl Radloff grundsätzlich von einer überhöhenden Inszenierung absieht, was sie von Zeitgenossen abgrenzt.

Barbara Niggl Radloffs Porträtfotografien lassen ihr Interesse am Menschen sehr deutlich erkennen und stehen im Bildjournalismus der 50er Jahre mit den Maximen der Humanistischen Fotografie in Verbindung, die mit Foto-Ausstellungen wie „Family of Man“ oder der „Weltausstellung der Fotografie“ ein Forum fand. Fotografinnen und Fotografen griffen in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg auf bürgerliche Ideale des Humanismus zurück, von dem sich insbesondere die LIFE-Fotografie beeinflusst zeigte. Das Prominentenbildnis spielte dabei eine hervorgehobene Rolle – von einer Veröffentlichung der Bilder im publizistischen Kontext profitierten in der Regel beide Seiten. Ihr Gegenüber fand Barbara Niggl Radloff bald nicht mehr nur in München, sondern auch auf Reisen in Paris oder Rom.

Das Album zeigt Prominentenbildnisse aus dem Frühwerk von Barbara Niggl Radloff, welche den Auftakt der Ausstellung "Vertrauliche Distanz. Fotografien von Barbara Niggl Radloff 1958–2004" bilden.

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