Fotografie: Kaisermanöver 1905/1906 von Oscar Tellgmann

Im Jahr 1907 veröffentlichte der renommierte „Hofphotograph“ Oscar Tellgmann 100 Fotografien der Kaisermanöver aus den Jahren 1905 und 1906. Das Album versammelt Szenen der jährlichen Militärübung zu Fuß, zu Pferd, im Schützengraben oder auf dem Wasser. Das fotografische Bild bedenkt ganz anders als ein komponiertes Schlachtengemälde alle Motive, ob Kaiser, General, Ulan, Pferd, Zeppelin, Feld oder Bauernhaus, mit der gleichen akribischen Detailgetreue und technischen Aufmerksamkeit.

Eine Aufnahme zeigt schließlich den Fotografen bei der Arbeit, dynamisch hantiert er an seiner Apparatur, umringt von vier assistierenden Soldaten mit Pickelhauben, einen Sonnenschirm haltend verharren sie als stille Beobachter. Die Szene ist eingebettet in eine weite Landschaft, offene Wiesen, nur am Horizont zeichnet sich schemenhaft ein einsamer Reiter ab. Die Aufnahme legt die Entstehungssituation der Fotografien Tellgmanns als ungestörten, assistierten fotografischen Akt im sicheren Rahmen einer Übung, fernab realer Bedrohung, offen. Auch vor der Kamera verleihen saubere Uniformen und entspannte Gesichter Tellgmanns Aufnahmen ihren dissonanten Ausdruck, denn die Erschöpfung, das Leid, die Paranoia, der Tod, die das Sujet der Kampfhandlungen in der Fotografie charakterisieren, sind hier sichtbar absent.

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