Puppentheater aus Japan: Kuruma Ningyō

Ludwig Krafft (1901–1977), der erste Leiter der 1940 gegründeten Sammlung Puppentheater der Stadt München, erweiterte die Sammlung nach dem Zweiten Weltkrieg um Bestände aus der ganzen Welt. Über die Mitarbeiterin des deutschen Generalkonsulats in Kobe, Ellen Möbus, und die Forscherin Gitta Lepsius gelang es Krafft, im Lauf der 1960er Jahre Figuren, Puppenköpfe,Texte und Grafiken zu verschiedenen japanischen Puppentheaterformen anzukaufen, nicht nur zum in Europa bekanntesten "Bunraku". Beim Bunraku oder "Ningyō Jōruri" führen drei Spieler ca. 90 cm bis 140 cm große Puppen. Dadurch ist eine einzigartige Feinheit der Bewegungen und Mimik der kunstvoll gestalteten Figuren möglich. Die Bezeichnung Bunraku geht auf Uemura Bunrakuken I (1751–1810) zurück, einen Theaterbesitzer in Osaka, der die bisher gebräuchliche, nur von einem Spieler geführte Puppe um das doppelte vergrößerte, um sie den Schauspielern des Kabuki-Theaters anzugleichen. Ursprünglich wurde der Begriff Bunraku nur für dieses eine Theater verwendet, er hat sich aber letztendlich für die ganze Kunstform durchgesetzt.

"Kuruma Ningyō" ist eine Sonderform des Ningyō Jōruri. Beim Kuruma Ningyō sitzt der schwarz gekleidete und maskierte Puppenspieler auf einem kleinen rollbaren Sitzwagen ("Kuruma"). Die Füße der Puppe sind an den Schuhen des Puppenspielers befestigt, sodass auch mit nur einem Puppenspieler eine sehr lebensechte Animation möglich ist. Diese Form wurde um 1870 von dem Puppenspieler Nishikawa Koryu (1824–1897) entwickelt. Wie beim Bunraku wird die Aufführung von einem Rezitator, dem "tayū", und einem Shamisen-Spieler begleitet. Diese Puppentheaterform wird noch heute in der Stadt Hachiōji westlich von Tokio praktiziert.

Die drei Figuren in der Münchner Sammlung waren 1965 ein Geschenk des Puppenspielers Issho Akima an die Sammlung. Nach einer feierlichen Übergabe in der Deutschen Botschaft in Tokio, bei der den speziell für München angefertigten Figuren beim Theaterspiel "Leben eingehaucht" wurde, gelangten die Puppen nach München, wo sie im Japan-Raum der Dauerausstellung einige Jahre lang zu sehen waren. Als Gegengabe schickte der Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel einen eigens entworfenen goldenen Siegelring mit dem Stadtwappen.

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