Reklamekunst: Künstlerplakate

Künstlerplakate – Von den künstlerischen Plakaten zu den Künstlerplakaten für die Werbeindustrie (1894–um 1930):

Um die Wende zum 20. Jahrhundert entwickelte sich München neben Berlin zu einem der bedeutendsten Zentren der Plakatgestaltung in Deutschland und galt als der wichtigste Ort süddeutschen Plakatschaffens. Im Gegensatz zu Kaiser Wilhelm II. betrieb Prinzregent Luitpold eine deutlich liberalere Kunstpolitik und förderte zum Teil moderne Tendenzen der Kunst.

Diese Stellung Münchens im Deutschen Reich zog Künstler und Intellektuelle aus dem In- und Ausland an. Ähnlich wie in Paris bildete sich eine Künstlerbohème und Schwabing wurde mit Künstlerkneipen wie dem "Simpl" und Künstlerzirkeln wie dem "Cococello-Club" zu einem Künstlerviertel. Mit den um die Münchner Zeitschriften "Jugend" und "Simplicissimus" wirkenden Künstlern wie Thomas Theodor Heine (1867–1948), Olaf Gulbransson (1873–1958), Bruno Paul (1874–1968) und nicht zuletzt Emil Preetorius (1883–1973) erlebte die Plakatkunst eine erste Blütezeit.

Die Plakate der Schwabinger Künstler zeichnen sich durch Ideenreichtum und brillante Darstellungen gegenüber der üblichen Plakatproduktion dieser Zeit aus. Um 1900 begründeten sie nicht nur das Renommee der Münchner Plakatkunst, sondern dokumentierten auch eindrucksvoll den Ruf Münchens als Kunststadt.

Nachdem die Künstlerplakate die Möglichkeiten des Plakats für die Werbung aufgezeigt hatten, interessierten sich zunehmend auch die Geschäftsleute für die neue Werbegrafik. Dieses Interesse der Wirtschaft an der Bildwerbung ließ für das Künstlerplakat eine neue Auftragslage entstehen. Damit setzte eine neue Entwicklungsphase der Plakatgestaltung ein, die in München eng mit dem Namen Ludwig Hohlwein (1874–1949) verbunden ist.

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