Schwabing um 1900: Zauber, Charisma, Genie und Größenwahn

Als München noch eine Kunstmetropole von internationaler Bedeutung war, in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, da galt der Stadtteil Schwabing, im Norden gelegen, als Inbegriff der Modernität. Hier lebten, liebten und arbeiteten all jene, die – rückblickend – ein wichtiges Kapitel literarischer und künstlerischer Avantgarde gestalteten: Angefangen mit lebensreformerischen Programmen über soziale und politische Experimente bis hin zu künstlerischen Gruppenbildungen jenseits von akademischen Formationen.

Charismatische literarische Führungspersönlichkeiten wie Stefan George, Alfred Schuler, Ludwig Klages, Karl Wolfskehl oder Ludwig Derleth inszenierten ihre Visionen von Gefolgschaft. Dichtende Groupies wie Maximilian Kronberger wurden auf der Straße entdeckt, in den Akademien und privaten Kunstschulen sammelten sich unzählige junge Künstler*innen und stritten für ihre ästhetischen Vorstellungen.

Eine Frau wie Franziska Gräfin zu Reventlow schrieb, malte und führte ein ungebundenes Leben jenseits überlieferter Rollenbilder, Lotte Pritzel etablierte das Gestalten von Puppen als künstlerisches Medium der Moderne.

Am bürgerlichen Rand dieser Gesellschaft produzierten Autoren wie Thomas und Heinrich Mann Weltliteratur, Mediziner wie Albert von Schrenck-Notzing revolutionierten die Psychologie, experimentierten mit Hypnose und arbeiteten mit den berühmtesten Medien ihrer Zeit zusammen.

Der Beginn des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 beendete diese Welt abrupt durch Tod, Exil, Flucht und Vertreibung.

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