Konvolute der Sammlung Fotografie: Barbara Lüdecke
* 1913 in München; † 10. Oktober 2007 in Bad Wiessee
Während der NS-Zeit war sie Mitglied im Reichsverband Deutscher Presse und ab 1943 als deren Schriftleiterin tätig. Sie fotografierte bis 1944. 1943 heiratete Lüdecke den Filmregisseur Gösta Nordhaus. Während sie privat den Doppelnamen Nordhaus-Lüdecke führte, sind ihre Veröffentlichungen mit Barbara Lüdecke gekennzeichnet. 1943 zog Lüdecke von Berlin in die Nähe von Würzburg, 1945 war sie in Wernfeld am Main gemeldet und ab Mai 1950 in München.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war Lüdecke eine vielbeschäftigte Fotojournalistin und publizierte u. a. in den Zeitschriften"Ihre Freundin und Brigitte. Darüber hinaus gründete sie um 1949 eine Fotoagentur mit dem Titel Internationales Frauenbild. Lüdecke fotografierte für diese selbst und kooperierte mit weiteren Fotojournalistinnen wie Ursula Braun, Ilse Flöter oder Renata Riederer.
Um 1962 gab sie ihre professionelle Tätigkeit als Fotografin auf. Lüdecke arbeitete fortan mit Jugendlichen und veröffentlichte Sachbücher und Ratgeber für Jugendliche und Frauen.
Fotohistorische Einordnung der Künstlerin
Über den Nachlass von Barbara Lüdecke in der Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums wird erst ihre fotohistorische Einordnung möglich. Die fotografische Praxis von Barbara Lüdecke bietet nicht nur Einblicke in die individuelle Karriere einer Fotografin, sondern wirft auch Licht auf größere historische, kulturelle und soziale Dynamiken.
Als Pressefotografin in einem von Männern dominierten Berufsfeld brach Lüdecke mit traditionellen Geschlechterrollen und navigierte durch die Herausforderungen einer professionellen Welt, die Frauen oft marginalisierte. Eine Untersuchung, inwiefern sie die vorherrschenden Geschlechterdynamiken nicht nur durch ihre Berufstätigkeit, sondern auch durch ihre Fotografien in Frage stellte, steht noch aus. Hinsichtlich der NS-Zeit ist unklar, welche Stellung Barbara Lüdecke einnahm. In den Reichsverband Deutscher Presse wurden nur Journalist*innen aufgenommen, die sich nicht gegen das NS-Regime stellten. Als Schriftleiterin bekleidete sie eine offizielle Position im Verband und konnte bis 1944 weiterarbeiten. Neben Bildreportern und Illustrationsfotografen wie Arthur Grimm, Hilmar Pabel oder Imre von Santho ermöglicht Barbara Lüdeckes Werk einen Blick auf die Rolle der Fotografie als visuelles Medium in der NS-Zeit.
Fest steht, dass ihre Fotografien es ermöglichen, die vielschichtigen Realitäten und Nuancen weiblicher Erfahrungen in den Blick zu nehmen, die in der historischen Dokumentation oft übersehen oder unterrepräsentiert sind. Dies gilt insbesondere für die NS-Zeit, aber auch den Übergang in das Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre. Es bleibt zu klären, inwiefern ihr Betätigungsfeld der Frauenzeitschriften und die Gründung einer eigenen Agentur, die ausschließlich Fotografinnen beschäftigte, im Gegensatz dazu stehen.
Angaben zum Konvolut
Die Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseum verfügt über den Nachlass von Barbara Lüdecke, der in zwei Teilen in die Fotosammlung kam. Einen Teil schenkte Barbara Lüdecke 1991. 2007 wurde ein weiterer Bestand von dem Verein Tiere in Not, Geretsried erworben, dem Barbara Lüdecke einen Teilnachlass vermacht hatte. Beide Eingänge sind unter einem Inventarnummernstamm zusammengefasst und geordnet. Sieben weitere Fotografien wurden 1993 von der Fotografin geschenkt.
Der Nachlass umfasst circa 16.600 Negative, Abzüge in verschiedenen Formaten, Kontaktabzüge, Texte und Abbildungsunterschriften sowie Publikationsbelege und einzelne Korrespondenzen. Bei sämtlichen Fotografien handelt es sich um Schwarz-Weiß-Fotografien aus den Jahren 1935 bis 1944 oder von 1946 bis 1962.
Neben eigenen Arbeiten befinden sich auch Fotografien und Texte von anderen Fotografinnen und Autorinnen im Bestand, die vermutlich mit der von Lüdecke gegründeten Agentur Internationales Frauenbild zusammenhängen.
Neben dem Nachlass in der Fotosammlung des Münchner Stadtmuseums befinden sich weitere Abzüge in der Sammlung Stadtkultur desselben.
Ausstellungstätigkeit mit Hinweisen auf Kataloge
Barbara Lüdecke wurde bisher nicht am Münchner Stadtmuseum gezeigt. 2001 wurden Fotografien von ihr in der Ausstellung Frauenobjektiv: Fotografinnen 1940 bis 1950 im Haus der Geschichte in Bonn präsentiert.
Diese Informationen für die berufsbezogene Biografie sowie die Angaben zum Konvolut basieren auf der Aufarbeitung des Nachlasses durch Dr. Erwin Keller für das Münchner Stadtmuseum 2009.