Die Künstlerfamilie Adam

Das Münchner Stadtmuseum hütet mit dem sog. Adam-Archiv einen besonderen Schatz: Seit 1976 befindet sich diese Sammlung mit etwa 1.500 Objekten in verschiedensten künstlerischen Techniken (Ölskizzen und -gemälde, Zeichnungen und Aquarelle sowie druckgraphische Werke) im Museum. Dieses Online-Album zeigt nur einen repräsentativen Ausschnitt aus dem riesigen Fundus des Adam-Archivs und wird laufend erweitert.

Die Künstlerfamilie Adam stellte über mehrere Generationen hinweg Persönlichkeiten der Münchner Kunstszene im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Ihr künstlerisches Schaffen umfasste vor allem Schlachten-, Tier- und Landschaftsbilder, wobei jedes Familienmitglied eigene Akzente setzte. Die Werke der Adams spiegeln nicht nur ihre individuellen künstlerischen Talente wider, sondern auch die historischen und gesellschaftlichen Entwicklungen ihrer Zeit.

Den Grundstein der Künstlerdynastie legten die Brüder Albrecht (1786–1862) und Heinrich Adam (1787–1862). Geboren in Nördlingen, zog Albrecht 1807 nach München und etablierte sich als angesehener Schlachtenmaler. Sein künstlerischer Durchbruch gelang ihm durch die Teilnahme an Napoleons Russlandfeldzug 1812, wo er das Kriegsgeschehen aus erster Hand erlebte und in zahlreichen Skizzen und Gemälden festhielt. Später arbeitete er für König Ludwig I. von Bayern und schuf bedeutende Werke, vor allem in der Historienmalerei. Seine detailreichen, dynamischen Kompositionen machten ihn zu einem gefragten Chronisten der militärischen Ereignisse seiner Zeit.
Auch Heinrich Adam wuchs in Nördlingen auf und ging mit seinem älteren Bruder nach München. Im Gegensatz zu Albrecht liegt Heinrichs Spezialisierung auf dem Feld der Stadtansichten und der Landschaftsmalerei.

Aus der nächsten Generation taten sich insbesondere vier Söhne von Albrecht Adam als Künstler hervor: Benno (Raffael) Adam (1812–1892) beschäftigte sich in erster Linie mit der Tiermalerei. Seine Werke zeichnen sich durch natürliche, detaillierte Darstellungen von Haus- und Nutztieren, insbesondere Hunden und Pferden, aus. Seine Heirat mit Josepha Quaglio, Tochter des Architekturmalers Domenico Quaglio, verband zudem zwei prominente Künstlerfamilien. Die Quaglios waren zu Beginn des Jahrhunderts aus Laino in der Provinz Como nach München gekommen und brachten ebenfalls über mehrere Generationen bedeutende Künstlerpersönlichkeiten hervor.
Franz Adam (1815–1886) wurde vor allem als Schlachten- und Historienmaler bekannt. Seine Werke reflektieren die Dramatik militärischer Auseinandersetzungen, darunter der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71. Besonders geschätzt wurden seine realistischen und bewegten Darstellungen von Kavalleriegefechten.
Eugen Adam (1817–1880) widmete sich ebenfalls der Schlachten- und Historienmalerei. Er begleitete als offizieller Kriegsmaler den italienischen Feldzug von 1848/49 und hielt kriegerische Episoden sowie Genreszenen in seinen Gemälden fest. Der Deutsch-Französische Krieg fand ebenfalls Eingang in sein Werk.
Julius I. Adam der Ältere (1821–1874) wirkte als Lithograf und Fotograf und trug zur Verbreitung der Werke seiner Familie bei. Er arbeitete eng mit dem Fotografen Joseph Albert zusammen und experimentierte mit neuen Drucktechniken, die später als Lichtdruck bekannt wurden.

Sein Sohn, Julius II. Adam der Jüngere (1852–1913), setzte die Familientradition fort. Er erlangte als sog. Katzen-Adam internationale Anerkennung für seine charakteristischen und lebendigen Katzendarstellungen, die besonders in den Vereinigten Staaten große Beliebtheit fanden.
Auch der Sohn von Benno, Emil Adam (1843–1924), machte sich einen Namen als Historien- und Tiermaler. Gefragt war er vor allem für seine Pferdebildnisse. Ebenfalls mit Pferden, aber auch mit Portraits des Hochadels befasste sich sein Sohn Richard Benno Adam (1873–1937), der Urenkel von Albrecht Adam. Sein Bruder Luitpold Adam der Ältere (1888–1950) war ebenfalls Portraitmaler, schuf zwischen 1939 und 1945 auch Kriegsdarstellungen.

Nicht nur männliche Mitglieder der Familie wirkten als Künstler. Mit Helene, Margit und Annemarie Adam taten sich, gerade in der jüngeren Zeit, auch Frauen als Malerinnen und Zeichnerinnen hervor. Etliche weitere Familienmitglieder wirkten zudem in anderen kulturellen Feldern, wie Friedrich Adam als Architekt, Franz Adam als Dirigent oder Paulus Adam als Kunstgewerbler.

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