Titel / Kurzbeschreibung
Becher
Datierung
18. Jahrhundert
Objektart
Becher
Material
Silber, innen vergoldet
Maße
9,5 cm
Signatur / Beschriftung
am Boden Meistermarke "IGCK", Beschauzeichen (Regensburg)
Personen / Institutionen
Ausgestellt
nein
Sammlung
Angewandte Kunst
Inventarnummer
K-39/1003
Provenienz
Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
Im Bestand des Münchner Stadtmuseums Sammlung Angewandte Kunst befanden sich bis 2023 140 Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe, die das Museum in den Jahren 1939 und 1940 vom Städtischen Leihamt erworben hatte. Grundlage war die reichsweit erlassene „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21. Februar 1939. Diese zwang Jüdinnen*Juden, alle Gegenstände aus den Edelmetallen Gold, Silber und Platin bei den örtlichen Leihämtern abzuliefern. Allein in München summierten sich die abgegebenen Wertgegenständen auf nahezu zehn Tonnen. Das Münchner Stadtmuseum erwarb insgesamt 212 Silberobjekte aus dieser Zwangsabgabe zu einem deutlich unter dem Marktwert liegendem Grammpreis. Im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 gab das Museum 69 Silbergegenstände an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurück. Weitere drei Objekte gelten als Kriegsverluste. Die 140 verbliebenen Silberobjekte im Museumsbestand wurden 2012 in die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eingestellt. Neue Aktenfunde im Jahr 2022 ermöglichten die Zuordnung von 137 der 140 Objekte zu 46 Familien. Seitdem ist das Münchner Stadtmuseum damit befasst, die Familiengeschichten zu recherchieren, nach Erb*innen zu suchen und die Objekte zu restituieren.
Zu den Silberobjekten aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/silber
Die Herkunft des Objekts: Die Familie Vogel
Den Becher musste Friederike Vogel zwangsweise beim Städtischen Leihamt München abgeben, wo ihn das damalige Historische Museum am 18. November 1939 erwarb. Friederike Vogel wurde am 9. Februar 1875 in München als zweite Tochter des Kaufmanns Hermann Vogel und seiner Frau Sofie geboren. Nach dem Besuch der Höheren Mädchenschule war sie in verschiedenen Bereichen sozial tätig. 1894 heiratete sie den Juristen Dr. Jakob Vogel, der am Oberlandesgericht arbeitete. Das Paar bekam 1895 einen Sohn, Rudolf, und lebte ab 1902 in einem eigenen Haus in der Leopoldstraße 44. Jakob Vogel verstarb bereits 1921. 1939 kam es zu mehrfachen Wohnungswechseln von Friederike und ihrem Sohn Rudolf und zunehmenden Repressionen. 1942 wurden Friederike und ihre Schwester nach Theresienstadt deportiert. Friederike starb dort am 11. Februar 1943, Sarah wurde 1944 ermordet. Rudolf, der zunächst als Anzeigenvertreter und dann als Provisionsvertreter für einen Berliner Verlag arbeitete, gelang die Flucht in den Untergrund, wo er bis zur Befreiung überlebte. Unmittelbar nach Kriegsende kehrte Rudolf nach München zurück, verstarb jedoch am 14. Dezember 1945 kurz vor seiner geplanten Hochzeit. Die Verbindung mit seiner langjährigen Verlobten Maria Hagn wurde später als "freie Ehe für rassisch und politisch Verfolgte" anerkannt.
Eintrag zu Friederike Vogel im Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933–1945: https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=343
Restitution:
Im April 2025 erfolgte die persönliche Rückgabe des Bechers an die Nachfahr*innen von Friederike Vogel in Deutschland.
Im Bestand des Münchner Stadtmuseums Sammlung Angewandte Kunst befanden sich bis 2023 140 Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe, die das Museum in den Jahren 1939 und 1940 vom Städtischen Leihamt erworben hatte. Grundlage war die reichsweit erlassene „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21. Februar 1939. Diese zwang Jüdinnen*Juden, alle Gegenstände aus den Edelmetallen Gold, Silber und Platin bei den örtlichen Leihämtern abzuliefern. Allein in München summierten sich die abgegebenen Wertgegenständen auf nahezu zehn Tonnen. Das Münchner Stadtmuseum erwarb insgesamt 212 Silberobjekte aus dieser Zwangsabgabe zu einem deutlich unter dem Marktwert liegendem Grammpreis. Im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 gab das Museum 69 Silbergegenstände an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurück. Weitere drei Objekte gelten als Kriegsverluste. Die 140 verbliebenen Silberobjekte im Museumsbestand wurden 2012 in die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eingestellt. Neue Aktenfunde im Jahr 2022 ermöglichten die Zuordnung von 137 der 140 Objekte zu 46 Familien. Seitdem ist das Münchner Stadtmuseum damit befasst, die Familiengeschichten zu recherchieren, nach Erb*innen zu suchen und die Objekte zu restituieren.
Zu den Silberobjekten aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/silber
Die Herkunft des Objekts: Die Familie Vogel
Den Becher musste Friederike Vogel zwangsweise beim Städtischen Leihamt München abgeben, wo ihn das damalige Historische Museum am 18. November 1939 erwarb. Friederike Vogel wurde am 9. Februar 1875 in München als zweite Tochter des Kaufmanns Hermann Vogel und seiner Frau Sofie geboren. Nach dem Besuch der Höheren Mädchenschule war sie in verschiedenen Bereichen sozial tätig. 1894 heiratete sie den Juristen Dr. Jakob Vogel, der am Oberlandesgericht arbeitete. Das Paar bekam 1895 einen Sohn, Rudolf, und lebte ab 1902 in einem eigenen Haus in der Leopoldstraße 44. Jakob Vogel verstarb bereits 1921. 1939 kam es zu mehrfachen Wohnungswechseln von Friederike und ihrem Sohn Rudolf und zunehmenden Repressionen. 1942 wurden Friederike und ihre Schwester nach Theresienstadt deportiert. Friederike starb dort am 11. Februar 1943, Sarah wurde 1944 ermordet. Rudolf, der zunächst als Anzeigenvertreter und dann als Provisionsvertreter für einen Berliner Verlag arbeitete, gelang die Flucht in den Untergrund, wo er bis zur Befreiung überlebte. Unmittelbar nach Kriegsende kehrte Rudolf nach München zurück, verstarb jedoch am 14. Dezember 1945 kurz vor seiner geplanten Hochzeit. Die Verbindung mit seiner langjährigen Verlobten Maria Hagn wurde später als "freie Ehe für rassisch und politisch Verfolgte" anerkannt.
Eintrag zu Friederike Vogel im Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933–1945: https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=343
Restitution:
Im April 2025 erfolgte die persönliche Rückgabe des Bechers an die Nachfahr*innen von Friederike Vogel in Deutschland.
Zugang
Ankauf
1939
Creditline
Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst