Ferdinand Murmann, Putto von der Münchner Mariensäule im Kampf mit der Schlange (Ketzerei), um 1640
Foto: Münchner Stadtmuseum, Gunther Adler
Titel / Kurzbeschreibung
Putto von der Münchner Mariensäule im Kampf mit der Schlange (Ketzerei)
Datierung
um 1640
Objektart
Plastik/Skulptur
Material
Bronze
Maße
149 cm x 120 cm x 103 cm
Personen / Institutionen
Ausgestellt
ja
Sammlung
Angewandte Kunst
Inventarnummer
K-98/23
Zugang
Schenkung 1998
Werktext
Mit der Errichtung der Münchner Mariensäule erfüllte Kurfürst Maximilian I. Von Bayern ein Gelübde, das er in der Zeit der schwedischen Besatzung zur Rettung seiner Residenzstadt ausgesprochen hatte. Auf der 1638 geweihten Säule steht die Figur der Gottesmutter als „Patrona Bavariae“. Sie wird von vier „Heldenputten“ verteidigt, wie die bewaffneten Engelskinder im Zeitalter des Barock allgemein genannt wurden. Die mit antiken Panzern gerüsteten Figuren kämpfen gegen die Hauptübel, denen sich die Katholiken zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs ausgesetzt sahen: Hunger, Pest, Krieg und Ketzerei. Die Inschrift auf den Schildern stammt aus einem Psalm und ist auf die Gottesmutter bezogen: „Super Aspidem et Basiliscum (ambulabis) et (conculcabis) Leonem et Draconem“ - „Über die Schlange und den Basilisken wirst Du gehen und den Löwen und den Drachen wirst Du zertreten.“
Neben dieser volkstümlichen Deutung, die seit dem 18. Jahrhundert überliefert ist, war das Bildprogramm auch auf einer religionspolitischen Ebene zu lesen. In einem allegorischen Deckenbild der Münchner Residenz wurden die Köpfe eines Löwen, eines Drachen, eines Basiliken und einer Schlange von der „ecclesia militans“, der kämpfenden römisch-katholischen Kirche zertreten. Die Tiere galten dort als Sinnbilder für Häretiker, Heiden, Juden und Schismatiker. So verstand sich das Haus Wittelsbach als „Bezwinger der Häresien und Verbreiter der althergebrachten unverfälschten Religion“, wie es in der Inschrift der Familiengruft von 1606 heißt.

Am Ende des 20. Jahrhunderts wurden die vier „Heldenputten“ der Mariensäule druch moderne Kopien ersetzt. Die Originalfiguren gelangten ins Münchner Stadtmuseum. Es handelt sich um Hauptwerke des deutschen Frühbarock. Angesichts dieser herausragenden Bedeutung gehört es zu den bedauerlichen Überlieferungslücken der Münchner Kunstgeschichte, dass keinerlei Zeugnisse über den entwerfenden Künstler bekannt sind. Für die Zuschreibung an einen prominenten Künstler wurden alle in Frage kommenden Namen bemüht. Es festigt sich die Meinung, dass die Putten von dem Augsburger Bildhauer Ferdinand Murmann stammen. Er trat 1634 in die Werkstatt Petels ein und dürfte dem Kurfürsten durch den General und Geheimen Rat Ottheinrich Graf Fugger empfohlen worden sein. Gesichert ist der Name des Gießers.

[Ausst.-Kat. Typisch München! Das Jubiläumsbuch des Münchner Stadtmuseums, hrsg. von Wolfgang Till und Thomas Weidner, München 2008, S. 54 f.]
Creditline
Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst
Zitiervorschlag / Permalink
Ferdinand Murmann, Putto von der Münchner Mariensäule im Kampf mit der Schlange (Ketzerei), um 1640, Bronze, 149 cm x 120 cm x 103 cm, Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst
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