Titel / Kurzbeschreibung
Schöpflöffel
Datierung
1856
Objektart
Löffel
Material
Silber
Maße
32 cm
Signatur / Beschriftung
Meistermarke „Mayerhofer“, Beschauzeichen
Personen / Institutionen
Ausgestellt
nein
Sammlung
Angewandte Kunst
Inventarnummer
K-39/1198
Provenienz
Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
Im Bestand des Münchner Stadtmuseums Sammlung Angewandte Kunst befanden sich bis 2023 140 Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe, die das Museum in den Jahren 1939 und 1940 vom Städtischen Leihamt erworben hatte. Grundlage war die reichsweit erlassene „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21. Februar 1939. Diese zwang Jüdinnen*Juden, alle Gegenstände aus den Edelmetallen Gold, Silber und Platin bei den örtlichen Leihämtern abzuliefern. Allein in München summierten sich die abgegebenen Wertgegenständen auf nahezu zehn Tonnen. Das Münchner Stadtmuseum erwarb insgesamt 212 Silberobjekte aus dieser Zwangsabgabe zu einem deutlich unter dem Marktwert liegendem Grammpreis. Im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 gab das Museum 69 Silbergegenstände an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurück. Weitere drei Objekte gelten als Kriegsverluste. Die 140 verbliebenen Silberobjekte im Museumsbestand wurden 2012 in die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eingestellt. Neue Aktenfunde im Jahr 2022 ermöglichten die Zuordnung von 137 der 140 Objekte zu 46 Familien. Seitdem ist das Münchner Stadtmuseum damit befasst, die Familiengeschichten zu recherchieren, nach Erb*innen zu suchen und die Objekte zu restituieren.
Zu den Silberobjekten aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/silber
Die Herkunft des Objekts: Die Familie Gerstle
Den silbernen Schöpflöffel musste Justin Gerstle zwangsweise beim Städtischen Leihamt München abgeben, wo ihn das damalige Historische Museum am 26. Januar 1940 erwarb. Justin Gerstle wurde am 11. April 1892 in Georgensgmünd als ältestes von vier Kindern von Ephraim und Rosalie Gerstle geboren. 1918 wurde aus einer Beziehung mit der nichtjüdischen Münchnerin Anna Bader seine Tochter Hildegard geboren. Später zog er nach Schwabach, wo er im Modewarengeschäft Rosenstein arbeitete und dort seine spätere Frau Berta Rosenstein, die Tochter des Besitzers, kennenlernte. Nach der Heirat mit Berta wurde Justin Teilhaber des Modegeschäfts seines Schwiegervaters. 1935 mussten die Familie Rosenstein und Justin das Geschäft zwangsweise verkaufen und zogen nach München, wo Justin im Modewarengeschäft Stalf und Görig am Ritter-von-Epp-Platz 21 arbeitete. Um 1940 musste Justin im Schlachthof Zwangsarbeit leisten. Am 25. Juni 1942 wurde er gemeinsam mit seiner Frau nach Theresienstadt deportiert und später in Treblinka ermordet. Seine Brüder Julius und Leo konnten in die USA emigrieren.
Eintrag zu Justin Gerstle im Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933–1945: https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=3684
Restitution:
Die persönliche Rückgabe des Schöpflöffels an die Nachfahr*innen nach Justin Gerstle in den USA erfolgte im Oktober 2025. Zwei Familienmitglieder nahmen im Oktober 2025 an der Veranstaltung „Munich Roots“ des Münchner Stadtmuseums teil: https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/munich-roots
Im Bestand des Münchner Stadtmuseums Sammlung Angewandte Kunst befanden sich bis 2023 140 Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe, die das Museum in den Jahren 1939 und 1940 vom Städtischen Leihamt erworben hatte. Grundlage war die reichsweit erlassene „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21. Februar 1939. Diese zwang Jüdinnen*Juden, alle Gegenstände aus den Edelmetallen Gold, Silber und Platin bei den örtlichen Leihämtern abzuliefern. Allein in München summierten sich die abgegebenen Wertgegenständen auf nahezu zehn Tonnen. Das Münchner Stadtmuseum erwarb insgesamt 212 Silberobjekte aus dieser Zwangsabgabe zu einem deutlich unter dem Marktwert liegendem Grammpreis. Im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 gab das Museum 69 Silbergegenstände an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurück. Weitere drei Objekte gelten als Kriegsverluste. Die 140 verbliebenen Silberobjekte im Museumsbestand wurden 2012 in die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eingestellt. Neue Aktenfunde im Jahr 2022 ermöglichten die Zuordnung von 137 der 140 Objekte zu 46 Familien. Seitdem ist das Münchner Stadtmuseum damit befasst, die Familiengeschichten zu recherchieren, nach Erb*innen zu suchen und die Objekte zu restituieren.
Zu den Silberobjekten aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/silber
Die Herkunft des Objekts: Die Familie Gerstle
Den silbernen Schöpflöffel musste Justin Gerstle zwangsweise beim Städtischen Leihamt München abgeben, wo ihn das damalige Historische Museum am 26. Januar 1940 erwarb. Justin Gerstle wurde am 11. April 1892 in Georgensgmünd als ältestes von vier Kindern von Ephraim und Rosalie Gerstle geboren. 1918 wurde aus einer Beziehung mit der nichtjüdischen Münchnerin Anna Bader seine Tochter Hildegard geboren. Später zog er nach Schwabach, wo er im Modewarengeschäft Rosenstein arbeitete und dort seine spätere Frau Berta Rosenstein, die Tochter des Besitzers, kennenlernte. Nach der Heirat mit Berta wurde Justin Teilhaber des Modegeschäfts seines Schwiegervaters. 1935 mussten die Familie Rosenstein und Justin das Geschäft zwangsweise verkaufen und zogen nach München, wo Justin im Modewarengeschäft Stalf und Görig am Ritter-von-Epp-Platz 21 arbeitete. Um 1940 musste Justin im Schlachthof Zwangsarbeit leisten. Am 25. Juni 1942 wurde er gemeinsam mit seiner Frau nach Theresienstadt deportiert und später in Treblinka ermordet. Seine Brüder Julius und Leo konnten in die USA emigrieren.
Eintrag zu Justin Gerstle im Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933–1945: https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=3684
Restitution:
Die persönliche Rückgabe des Schöpflöffels an die Nachfahr*innen nach Justin Gerstle in den USA erfolgte im Oktober 2025. Zwei Familienmitglieder nahmen im Oktober 2025 an der Veranstaltung „Munich Roots“ des Münchner Stadtmuseums teil: https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/munich-roots
Zugang
Ankauf
1940
Creditline
Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst