Georg Carl von Reichenbach liebte es, faden- und nuppenverzierte Gläser, Vasen, Schalen und Dosen entweder in starken Kontrastfarben zu entwerfen oder marmoriertes Glas mit dunklem Dekor zu schmücken. Wie viele Glaskünstler des Jugendstils ließ sich auch Reichenbach von historischen Vorbildern inspirieren. Er greift dabei jedoch nicht auf arabische Glasarbeiten mit Emaille- und Golddekoration zurück, sondern auf antike und mittelalterliche Faden- und Nuppengläser, ohne diese zu imitieren. Die Technik der Faden- und Tropfenauflage ist alt. Die zähflüssige Konsistenz der heißen Glasmasse gestattet es, sie in langen Fäden in Ringen oder Spiralen um den noch heißen Glaskörper zu legen oder einzelne Glastupfen und Batzen (Nuppen) aufzuschmelzen. Durch freie Handhabung der Formen und im Zusammenspiel der Farben von Gefäß und Dekor spielen seine Schöpfungen, die er in Oberzwieselau fertigen ließ, eine einmalige, kraftvolle Note im Konzert des deutschen und europäischen Jugendstilglases.
[Ausst.-Kat. Die Meister des Münchner Jugendstils, hrsg. von Kathryn Bloom Hiesinger, München 1988, S. 102]
Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst