Titel / Kurzbeschreibung
Becher
Datierung
1865
Objektart
Becher
Material
Silber
Maße
8,3 cm
Signatur / Beschriftung
Gravierte Widmung am Oberrand: "Joseph von Heckel seinem Neffen u. Taufpaten Max Joseph Michael von Heckel am 15ten März 1865"; am Boden Meistermarke "Rappolt", Beschauzeichen 1865
Personen / Institutionen
Ausgestellt
nein
Sammlung
Angewandte Kunst
Inventarnummer
K-39/996
Provenienz
Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
Im Bestand des Münchner Stadtmuseums Sammlung Angewandte Kunst befanden sich bis 2023 140 Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe, die das Museum in den Jahren 1939 und 1940 vom Städtischen Leihamt erworben hatte. Grundlage war die reichsweit erlassene „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21. Februar 1939. Diese zwang Jüdinnen*Juden, alle Gegenstände aus den Edelmetallen Gold, Silber und Platin bei den örtlichen Leihämtern abzuliefern. Allein in München summierten sich die abgegebenen Wertgegenständen auf nahezu zehn Tonnen. Das Münchner Stadtmuseum erwarb insgesamt 212 Silberobjekte aus dieser Zwangsabgabe zu einem deutlich unter dem Marktwert liegendem Grammpreis. Im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 gab das Museum 69 Silbergegenstände an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurück. Weitere drei Objekte gelten als Kriegsverluste. Die 140 verbliebenen Silberobjekte im Museumsbestand wurden 2012 in die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eingestellt. Neue Aktenfunde im Jahr 2022 ermöglichten die Zuordnung von 137 der 140 Objekte zu 46 Familien. Seitdem ist das Münchner Stadtmuseum damit befasst, die Familiengeschichten zu recherchieren, nach Erb*innen zu suchen und die Objekte zu restituieren.
Zu den Silberobjekten aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/silber
Die Herkunft des Objekts: Die Familie Wetzlar
Die Becher musste Alexander Wetzlar zwangsweise beim Städtischen Leihamt München abgeben, wo sie das damalige Historische Museum am 18. November 1939 erwarb. Alexander Wetzlar wurde am 23. Juni 1893 als jüngster von sechs Kindern des Silberschmieds Moses Tobias Wetzlar und seiner Frau Flora Frummet geboren. Über seine Ausbildung ist nichts bekannt. Im Ersten Weltkrieg war er Frontkämpfer und Mitglied des Freikorps Epp im Einsatz. Während des Krieges verstarb sein Vater Moses Tobias Wetzlar. Daraufhin übernahmen die Brüder Heinrich und Markus die 1875 gegründete väterliche Silberwarenfirma „M. T. Wetzlar“ in der Maximilianstraße 2. Alexander arbeitete mehrere Jahre als Bankangestellter in Karlsruhe, wo er 1924 Selma Strauss heiratete. Nach dem Tod seines Bruders Markus 1925 trat er in das familiäre Silberwarengeschäft ein. Vom 10. November bis 8. Dezember 1938 wurden Heinrich und Alexander in sogenannter Schutzhaft im Konzentrationslager Dachau festgehalten. Kurz danach, am 19. April 1939, emigrierten sie gemeinsam mit ihrer Schwester Regina über Hamburg nach London. Auf der Reise ging ein Liftvan der Familie verloren, der später in Hamburg versteigert wurde. Alexander und Selma blieben kinderlos in England, wo Alexander am 16. Mai 1957 verstarb.
Restitution:
Die persönliche Rückgabe der beiden Silberbecher an die Nachfahr*innen nach Alexander Wetzlar erfolgte im Juni 2024 in Israel.
Ein Familienmitglied nahm im Oktober 2025 an der Veranstaltung „Munich Roots“ des Münchner Stadtmuseums teil: https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/munich-roots
Im Bestand des Münchner Stadtmuseums Sammlung Angewandte Kunst befanden sich bis 2023 140 Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe, die das Museum in den Jahren 1939 und 1940 vom Städtischen Leihamt erworben hatte. Grundlage war die reichsweit erlassene „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21. Februar 1939. Diese zwang Jüdinnen*Juden, alle Gegenstände aus den Edelmetallen Gold, Silber und Platin bei den örtlichen Leihämtern abzuliefern. Allein in München summierten sich die abgegebenen Wertgegenständen auf nahezu zehn Tonnen. Das Münchner Stadtmuseum erwarb insgesamt 212 Silberobjekte aus dieser Zwangsabgabe zu einem deutlich unter dem Marktwert liegendem Grammpreis. Im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 gab das Museum 69 Silbergegenstände an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurück. Weitere drei Objekte gelten als Kriegsverluste. Die 140 verbliebenen Silberobjekte im Museumsbestand wurden 2012 in die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eingestellt. Neue Aktenfunde im Jahr 2022 ermöglichten die Zuordnung von 137 der 140 Objekte zu 46 Familien. Seitdem ist das Münchner Stadtmuseum damit befasst, die Familiengeschichten zu recherchieren, nach Erb*innen zu suchen und die Objekte zu restituieren.
Zu den Silberobjekten aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/silber
Die Herkunft des Objekts: Die Familie Wetzlar
Die Becher musste Alexander Wetzlar zwangsweise beim Städtischen Leihamt München abgeben, wo sie das damalige Historische Museum am 18. November 1939 erwarb. Alexander Wetzlar wurde am 23. Juni 1893 als jüngster von sechs Kindern des Silberschmieds Moses Tobias Wetzlar und seiner Frau Flora Frummet geboren. Über seine Ausbildung ist nichts bekannt. Im Ersten Weltkrieg war er Frontkämpfer und Mitglied des Freikorps Epp im Einsatz. Während des Krieges verstarb sein Vater Moses Tobias Wetzlar. Daraufhin übernahmen die Brüder Heinrich und Markus die 1875 gegründete väterliche Silberwarenfirma „M. T. Wetzlar“ in der Maximilianstraße 2. Alexander arbeitete mehrere Jahre als Bankangestellter in Karlsruhe, wo er 1924 Selma Strauss heiratete. Nach dem Tod seines Bruders Markus 1925 trat er in das familiäre Silberwarengeschäft ein. Vom 10. November bis 8. Dezember 1938 wurden Heinrich und Alexander in sogenannter Schutzhaft im Konzentrationslager Dachau festgehalten. Kurz danach, am 19. April 1939, emigrierten sie gemeinsam mit ihrer Schwester Regina über Hamburg nach London. Auf der Reise ging ein Liftvan der Familie verloren, der später in Hamburg versteigert wurde. Alexander und Selma blieben kinderlos in England, wo Alexander am 16. Mai 1957 verstarb.
Restitution:
Die persönliche Rückgabe der beiden Silberbecher an die Nachfahr*innen nach Alexander Wetzlar erfolgte im Juni 2024 in Israel.
Ein Familienmitglied nahm im Oktober 2025 an der Veranstaltung „Munich Roots“ des Münchner Stadtmuseums teil: https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/munich-roots
Zugang
Ankauf
1939
Creditline
Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst