Titel / Kurzbeschreibung
Vorlegelöffel
Datierung
1836
Objektart
Löffel
Material
Silber
Maße
29,1 cm
Signatur / Beschriftung
Meistermarke "Jehle", Beschauzeichen
Ausgestellt
nein
Sammlung
Angewandte Kunst
Inventarnummer
K-39/1253
Provenienz
Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
Im Bestand des Münchner Stadtmuseums Sammlung Angewandte Kunst befanden sich bis 2023 140 Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe, die das Museum in den Jahren 1939 und 1940 vom Städtischen Leihamt erworben hatte. Grundlage war die reichsweit erlassene „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21. Februar 1939. Diese zwang Jüdinnen*Juden, alle Gegenstände aus den Edelmetallen Gold, Silber und Platin bei den örtlichen Leihämtern abzuliefern. Allein in München summierten sich die abgegebenen Wertgegenständen auf nahezu zehn Tonnen. Das Münchner Stadtmuseum erwarb insgesamt 212 Silberobjekte aus dieser Zwangsabgabe zu einem deutlich unter dem Marktwert liegendem Grammpreis. Im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 gab das Museum 69 Silbergegenstände an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurück. Weitere drei Objekte gelten als Kriegsverluste. Die 140 verbliebenen Silberobjekte im Museumsbestand wurden 2012 in die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eingestellt. Neue Aktenfunde im Jahr 2022 ermöglichten die Zuordnung von 137 der 140 Objekte zu 46 Familien. Seitdem ist das Münchner Stadtmuseum damit befasst, die Familiengeschichten zu recherchieren, nach Erb*innen zu suchen und die Objekte zu restituieren.

Zu den Silberobjekten aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/silber

Die Herkunft des Objekts: Die Familie Uhlmann
Den Vorlegelöffel musste Alfred Otto Uhlmann zwangsweise beim Städtischen Leihamt München abgeben, wo ihn das Historische Museum am 23. Februar 1940 erwarb. Alfred Otto Uhlmann wurde am 3. März 1871 in München als einziger Sohn des Buchhalters Adolf Uhlmann und dessen Frau Ottilie geboren. Er arbeitete als Pelzwarenfabrikant. Am 7. September 1899 heiratete er Betty Braumann. Aus der Ehe gingen die Kinder Adolf Otto und Betty Ottilie hervor. Bereits seit 1890 reiste die Familie regelmäßig nach England, Brasilien und andere Länder. Betty Uhlmann verstarb bei oder kurz nach der Geburt der Tochter Betty in London. Im Folgejahr heiratete Alfred seine zweite Frau Irma Veith aus Augsburg; deren Kinder Ottilie Erna und Walter Erich Otto wurden in London geboren. Während des Ersten Weltkriegs war Alfred von 1915 bis 1918 in England als Zivilinternierter festgehalten. Ab 1919 lebte die Familie wieder in München. Alfred arbeitete als Verleger und leitete später die Thespis Zeitschriften- und Zeitungsverlags AG in der Neuhauserstraße 30. 1934 gab er den Verlag auf und betätigte sich als Provisionsvertreter für Textil- und Tabakwaren, als Versicherungsmakler und in Inseraten- und Reklamewerbung. Zum 31. Dezember 1938 musste er das Gewerbe zwangsweise abmelden. Sein Sohn Adolf war bereits nach Palästina emigriert, Walter 1939 nach Los Angeles. Alfred, Irma und Tochter Ottilie Erna planten ebenfalls die Ausreise dorthin; die für Juni 1940 über Genua vorbereitete Passage scheiterte jedoch, da die Reederei ihren Passagierverkehr einstellte. Am 29. Juni 1941 gelang schließlich die Ausreise über Lissabon in die USA.
Zugang
Ankauf 1940
Creditline
Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst
Zitiervorschlag / Permalink
Friedrich Jehle, Vorlegelöffel, 1836, Silber, 29,1 cm, Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst
https://sammlungonline.muenchner-stadtmuseum.de/objekt/vorlegeloeffel-10145861