Titel / Kurzbeschreibung
Untersetzplatte (zu Deckelschüssel K-39/1012)
Datierung
um 1930
Objektart
Platte
Material
Silber
Maße
1,5 cm
Signatur / Beschriftung
Halbmond, Krone, 800, Herstellermarke
Ausgestellt
nein
Sammlung
Angewandte Kunst
Inventarnummer
K-39/1013
Provenienz
Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
Im Bestand des Münchner Stadtmuseums Sammlung Angewandte Kunst befanden sich bis 2023 140 Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe, die das Museum in den Jahren 1939 und 1940 vom Städtischen Leihamt erworben hatte. Grundlage war die reichsweit erlassene „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21. Februar 1939. Diese zwang Jüdinnen*Juden, alle Gegenstände aus den Edelmetallen Gold, Silber und Platin bei den örtlichen Leihämtern abzuliefern. Allein in München summierten sich die abgegebenen Wertgegenständen auf nahezu zehn Tonnen. Das Münchner Stadtmuseum erwarb insgesamt 212 Silberobjekte aus dieser Zwangsabgabe zu einem deutlich unter dem Marktwert liegendem Grammpreis. Im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 gab das Museum 69 Silbergegenstände an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurück. Weitere drei Objekte gelten als Kriegsverluste. Die 140 verbliebenen Silberobjekte im Museumsbestand wurden 2012 in die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eingestellt. Neue Aktenfunde im Jahr 2022 ermöglichten die Zuordnung von 137 der 140 Objekte zu 46 Familien. Seitdem ist das Münchner Stadtmuseum damit befasst, die Familiengeschichten zu recherchieren, nach Erb*innen zu suchen und die Objekte zu restituieren.
Zu den Silberobjekten aus der sogenannten Silberzwangsabgabe: https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/silberDie Herkunft des Objekts: Die Familie Herz
Das mehrteilige Silberservice musste Selma Herz zwangsweise beim Städtischen Leihamt München abgeben, wo es das damalige Historische Museum am 18. November 1939 erwarb. Selma Herz wurde am 14. Juni 1896 in Köln als erstes Kind des Kaufmanns Issak Herz und seiner Frau Sophie geboren. Sie besuchte vermutlich die Höhere Mädchenschule und arbeitete später als Buchhalterin und Beschließerin. Im September 1938 zog Selma aus Bopfingen nach München, wo sie aufgrund der zunehmenden nationalsozialistischen Repressionen mehrfach die Wohnung wechseln musste. Am 22. Dezember 1939 heiratete sie den aus Heilbronn stammenden Koch Karl Schwarz. Kurz darauf, im Februar 1940 gelang ihr die Emigration in die USA; ihr Mann folgte im Juni 1941. Das Paar blieb kinderlos. Karl starb 1968 in der Bronx, Selma am 31. Oktober 1971.Restitution:
Im September 2025 erfolgte die Rückgabe des Silberservices an die Nachfahr*innen von Selma Herz in Deutschland.
Zugang
Ankauf 1939
Werktext
Untersetzplatte zu Deckelschüssel K-39/1012

Im Sammlungsbestand des Münchner Stadtmuseums befinden sich über 100 Silberobjekte, die in den Jahren 1939 und 1940 im Städtischen Leihamt erworben wurden. Insgesamt hat das Münchner Stadtmuseum über 200 Objekte aus der Zwangsablieferung von Edelmetallgegenständen und Schmuck jüdischer Münchnerinnen und Münchner für über 2.600 Reichsmark angekauft.
Die reichsweit erlassene "Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden" vom 21. Februar 1939 hatte Juden dazu gezwungen, innerhalb von zwei Wochen alle Edelmetalle aus Gold, Silber und Platin sowie Schmuckgegenstände bei den Ankaufsstellen der örtlichen Leihämter abzuliefern. Für den Regierungsbezirk Oberbayern war das Städtische Leihamt in der Augustenstraße 20 in München zuständig.
Die Leihämter organisierten die sogenannte "Verwertung" der eingelieferten Gegenstände und boten sie zum Verkauf an. Münchner Museen, die Stadtverwaltung und die Münchner selbst erhielten die Gelegenheit, Zier- und Tafelsilber weit unter Marktwert zu erwerben. Das Stadtmuseum hat in insgesamt sieben Ankäufen vor allem Tafelsilber von Münchner Silberschmieden des 18. und 19. Jahrhunderts aus diesem Bestand erworben.
Insgesamt 57 Silbergegenstände gab das Münchner Stadtmuseum in den Jahren 1953 bis 1955 an die Erben der einstigen jüdischen Eigentümer zurück. Eine eindeutige Identifizierung der ehemaligen Besitzer der verbliebenen Objekte ist aufgrund der aktuellen Quellenlage nicht möglich. Deshalb wurden 2010 alle übrigen Silbergegenstände in die Internet-Datenbank Lost Art des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste in Magdeburg eingestellt. Bis heute bemüht sich das Münchner Stadtmuseum um weiterführende Hinweise zur Herkunft der Gegenstände.
Creditline
Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst
Zitiervorschlag / Permalink
Gumbel & Co., Heilbronn, Untersetzplatte (zu Deckelschüssel K-39/1012), um 1930, Silber, 1,5 cm, Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst
https://sammlungonline.muenchner-stadtmuseum.de/objekt/untersetzplatte-zu-deckelschuessel-k-391012-10145835