Titel / Kurzbeschreibung
Tafellöffel
Datierung
1855
Objektart
Löffel
Material
Silber
Maße
20,7 cm
Signatur / Beschriftung
Meistermarke: "I.ST"; Beschauzeichen: [Münchner Kindl] 55
Personen / Institutionen
Ausgestellt
nein
Sammlung
Angewandte Kunst
Inventarnummer
K-39/1206
Provenienz
Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
Im Bestand des Münchner Stadtmuseums Sammlung Angewandte Kunst befanden sich bis 2023 140 Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe, die das Museum in den Jahren 1939 und 1940 vom Städtischen Leihamt erworben hatte. Grundlage war die reichsweit erlassene „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21. Februar 1939. Diese zwang Jüdinnen*Juden, alle Gegenstände aus den Edelmetallen Gold, Silber und Platin bei den örtlichen Leihämtern abzuliefern. Allein in München summierten sich die abgegebenen Wertgegenständen auf nahezu zehn Tonnen. Das Münchner Stadtmuseum erwarb insgesamt 212 Silberobjekte aus dieser Zwangsabgabe zu einem deutlich unter dem Marktwert liegendem Grammpreis. Im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 gab das Museum 69 Silbergegenstände an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurück. Weitere drei Objekte gelten als Kriegsverluste. Die 140 verbliebenen Silberobjekte im Museumsbestand wurden 2012 in die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eingestellt. Neue Aktenfunde im Jahr 2022 ermöglichten die Zuordnung von 137 der 140 Objekte zu 46 Familien. Seitdem ist das Münchner Stadtmuseum damit befasst, die Familiengeschichten zu recherchieren, nach Erb*innen zu suchen und die Objekte zu restituieren.
Zu den Silberobjekten aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/silber
Die Herkunft des Objekts: Die Familie Adler
Den silbernen Tafellöffel musste Joseph Adler zwangsweise beim Städtischen Leihamt München abgeben, wo ihn das damalige Historische Museum am 26. Januar 1940 erwarb. Joseph Adler wurde am 5. Dezember 1883 in München als erstes Kind von Gerson Adler und Rosa Karoline geboren. Drei Jahre später kam seine Schwester Lina zur Welt. Er besuchte die Städtische Handelsschule und leistete von 1914 bis 1919 Militärdienst, zuletzt als Gefreiter. Im Jahr 1921 heiratete Joseph Klara Friedberger; die Ehe wurde 1922 geschieden. Als Kaufmann betrieb er in der Lindwurmstraße 42 einen Handel mit Woll- und Wirkwaren sowie Kurzwaren. Am 10. November 1938 wurde er von der Gestapo verhaftet und einen Monat als „Aktionshäftling“ im KZ Dachau festgehalten. Daraufhin musste er zum Jahresende 1938 sein Geschäft zwangsweise abmelden. Es ist nicht bekannt, ob Joseph versucht hatte zu emigrieren. Er und seine Schwester Lina wurden 1941 gemeinsam nach Kaunas deportiert und am 25. November 1941 ermordet. Seine Mutter Rosa wurde im Juni 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort getötet. Josephs geschiedene Frau Klara wurde im Dezember 1941 von Stuttgart nach Riga deportiert und ermordet.
Eintrag zu Josef Adler im Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933–1945:
https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=206
Restitution:
Im Oktober 2025 erfolgte die persönliche Rückgabe des Tafellöffels an die Nachfahr*innen von Joseph Adler aus Israel und England.
Zwei Familienmitglieder nahmen im Oktober 2025 an der Veranstaltung „Munich Roots“ des Münchner Stadtmuseums teil: https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/munich-roots
Im Bestand des Münchner Stadtmuseums Sammlung Angewandte Kunst befanden sich bis 2023 140 Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe, die das Museum in den Jahren 1939 und 1940 vom Städtischen Leihamt erworben hatte. Grundlage war die reichsweit erlassene „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21. Februar 1939. Diese zwang Jüdinnen*Juden, alle Gegenstände aus den Edelmetallen Gold, Silber und Platin bei den örtlichen Leihämtern abzuliefern. Allein in München summierten sich die abgegebenen Wertgegenständen auf nahezu zehn Tonnen. Das Münchner Stadtmuseum erwarb insgesamt 212 Silberobjekte aus dieser Zwangsabgabe zu einem deutlich unter dem Marktwert liegendem Grammpreis. Im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 gab das Museum 69 Silbergegenstände an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurück. Weitere drei Objekte gelten als Kriegsverluste. Die 140 verbliebenen Silberobjekte im Museumsbestand wurden 2012 in die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eingestellt. Neue Aktenfunde im Jahr 2022 ermöglichten die Zuordnung von 137 der 140 Objekte zu 46 Familien. Seitdem ist das Münchner Stadtmuseum damit befasst, die Familiengeschichten zu recherchieren, nach Erb*innen zu suchen und die Objekte zu restituieren.
Zu den Silberobjekten aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/silber
Die Herkunft des Objekts: Die Familie Adler
Den silbernen Tafellöffel musste Joseph Adler zwangsweise beim Städtischen Leihamt München abgeben, wo ihn das damalige Historische Museum am 26. Januar 1940 erwarb. Joseph Adler wurde am 5. Dezember 1883 in München als erstes Kind von Gerson Adler und Rosa Karoline geboren. Drei Jahre später kam seine Schwester Lina zur Welt. Er besuchte die Städtische Handelsschule und leistete von 1914 bis 1919 Militärdienst, zuletzt als Gefreiter. Im Jahr 1921 heiratete Joseph Klara Friedberger; die Ehe wurde 1922 geschieden. Als Kaufmann betrieb er in der Lindwurmstraße 42 einen Handel mit Woll- und Wirkwaren sowie Kurzwaren. Am 10. November 1938 wurde er von der Gestapo verhaftet und einen Monat als „Aktionshäftling“ im KZ Dachau festgehalten. Daraufhin musste er zum Jahresende 1938 sein Geschäft zwangsweise abmelden. Es ist nicht bekannt, ob Joseph versucht hatte zu emigrieren. Er und seine Schwester Lina wurden 1941 gemeinsam nach Kaunas deportiert und am 25. November 1941 ermordet. Seine Mutter Rosa wurde im Juni 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort getötet. Josephs geschiedene Frau Klara wurde im Dezember 1941 von Stuttgart nach Riga deportiert und ermordet.
Eintrag zu Josef Adler im Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933–1945:
https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=206
Restitution:
Im Oktober 2025 erfolgte die persönliche Rückgabe des Tafellöffels an die Nachfahr*innen von Joseph Adler aus Israel und England.
Zwei Familienmitglieder nahmen im Oktober 2025 an der Veranstaltung „Munich Roots“ des Münchner Stadtmuseums teil: https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/munich-roots
Zugang
Ankauf
1940
Creditline
Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst