Titel / Kurzbeschreibung
Pastetenheber
Datierung
1857
Objektart
Heber
Material
Silber
Maße
30 cm
Signatur / Beschriftung
Meistermarke "Stettmeyer", Beschauzeichen
Personen / Institutionen
Ausgestellt
nein
Sammlung
Angewandte Kunst
Inventarnummer
K-39/982
Provenienz
Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
Im Bestand des Münchner Stadtmuseums Sammlung Angewandte Kunst befanden sich bis 2023 140 Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe, die das Museum in den Jahren 1939 und 1940 vom Städtischen Leihamt erworben hatte. Grundlage war die reichsweit erlassene „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21. Februar 1939. Diese zwang Jüdinnen*Juden, alle Gegenstände aus den Edelmetallen Gold, Silber und Platin bei den örtlichen Leihämtern abzuliefern. Allein in München summierten sich die abgegebenen Wertgegenständen auf nahezu zehn Tonnen. Das Münchner Stadtmuseum erwarb insgesamt 212 Silberobjekte aus dieser Zwangsabgabe zu einem deutlich unter dem Marktwert liegendem Grammpreis. Im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 gab das Museum 69 Silbergegenstände an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurück. Weitere drei Objekte gelten als Kriegsverluste. Die 140 verbliebenen Silberobjekte im Museumsbestand wurden 2012 in die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eingestellt. Neue Aktenfunde im Jahr 2022 ermöglichten die Zuordnung von 137 der 140 Objekte zu 46 Familien. Seitdem ist das Münchner Stadtmuseum damit befasst, die Familiengeschichten zu recherchieren, nach Erb*innen zu suchen und die Objekte zu restituieren.
Zu den Silberobjekten aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/silber
Die Herkunft des Objekts: Die Familie Samson
Den Pastetenheber musste Wilhelm Samson zwangsweise beim Städtischen Leihamt München abgeben, wo ihn das damalige Historische Museum am 18. November 1939 erwarb. Wilhelm Samson wurde am 25. Dezember 1877 in Neustadt an der Weinstraße als einziges Kind des Kaufmanns Moses Samson und seiner Frau Fanny geboren. 1910 heiratete er in Ulm Else Lauchheimer aus Nördlingen. In Stuttgart wurden ihre beiden Töchter geboren, Gertrud Fanny 1911 und Elisabeth 1912. Kurz darauf zog die Familie nach München. Wilhelm Samson war dort als Inhaber der Tintenfabrikation C. Stark in der Nußbaumstraße 14 tätig und führte den Titel eines königlich Bayerischen Hoflieferanten. Am 15. September 1938 musste er das Gewerbe zwangsweise abmelden. Vom 10. bis 29. November 1938 wurde er als „Aktionshäftling“ im KZ Dachau inhaftiert. Nach seiner Freilassung zog die Familie mehrfach um, zuletzt 1942 in das Barackenlager Milbertshofen. Am 13. Juli 1942 wurden Wilhelm und Else Samson mit dem sogenannten „Straftransport“ deportiert, entweder in das Warschauer Ghetto oder nach Auschwitz. Wilhelm Samson wurde mit Wirkung zum 31. Dezember 1942 für tot erklärt. Seine Tochter Gertrud Lewin wurde mit ihren beiden Kindern in Kaunas ermordet. Die zweite Tochter Elisabeth, verwitwete Gutmann, überlebte die Shoah nach Emigration über England in die USA.
Eintrag zu Wilhelm Samson im Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933–1945: https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=8024
Restitution:
Im April 2024 überließen Nachfahr*innen von Wilhelm Samson dem Münchner Stadtmuseum den Pastenheber als Schenkung.
Mehrere Familienmitglieder nahmen im Oktober 2025 an der Veranstaltung „Munich Roots“ des Münchner Stadtmuseums teil: https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/munich-roots
Im Bestand des Münchner Stadtmuseums Sammlung Angewandte Kunst befanden sich bis 2023 140 Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe, die das Museum in den Jahren 1939 und 1940 vom Städtischen Leihamt erworben hatte. Grundlage war die reichsweit erlassene „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21. Februar 1939. Diese zwang Jüdinnen*Juden, alle Gegenstände aus den Edelmetallen Gold, Silber und Platin bei den örtlichen Leihämtern abzuliefern. Allein in München summierten sich die abgegebenen Wertgegenständen auf nahezu zehn Tonnen. Das Münchner Stadtmuseum erwarb insgesamt 212 Silberobjekte aus dieser Zwangsabgabe zu einem deutlich unter dem Marktwert liegendem Grammpreis. Im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 gab das Museum 69 Silbergegenstände an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurück. Weitere drei Objekte gelten als Kriegsverluste. Die 140 verbliebenen Silberobjekte im Museumsbestand wurden 2012 in die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eingestellt. Neue Aktenfunde im Jahr 2022 ermöglichten die Zuordnung von 137 der 140 Objekte zu 46 Familien. Seitdem ist das Münchner Stadtmuseum damit befasst, die Familiengeschichten zu recherchieren, nach Erb*innen zu suchen und die Objekte zu restituieren.
Zu den Silberobjekten aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/silber
Die Herkunft des Objekts: Die Familie Samson
Den Pastetenheber musste Wilhelm Samson zwangsweise beim Städtischen Leihamt München abgeben, wo ihn das damalige Historische Museum am 18. November 1939 erwarb. Wilhelm Samson wurde am 25. Dezember 1877 in Neustadt an der Weinstraße als einziges Kind des Kaufmanns Moses Samson und seiner Frau Fanny geboren. 1910 heiratete er in Ulm Else Lauchheimer aus Nördlingen. In Stuttgart wurden ihre beiden Töchter geboren, Gertrud Fanny 1911 und Elisabeth 1912. Kurz darauf zog die Familie nach München. Wilhelm Samson war dort als Inhaber der Tintenfabrikation C. Stark in der Nußbaumstraße 14 tätig und führte den Titel eines königlich Bayerischen Hoflieferanten. Am 15. September 1938 musste er das Gewerbe zwangsweise abmelden. Vom 10. bis 29. November 1938 wurde er als „Aktionshäftling“ im KZ Dachau inhaftiert. Nach seiner Freilassung zog die Familie mehrfach um, zuletzt 1942 in das Barackenlager Milbertshofen. Am 13. Juli 1942 wurden Wilhelm und Else Samson mit dem sogenannten „Straftransport“ deportiert, entweder in das Warschauer Ghetto oder nach Auschwitz. Wilhelm Samson wurde mit Wirkung zum 31. Dezember 1942 für tot erklärt. Seine Tochter Gertrud Lewin wurde mit ihren beiden Kindern in Kaunas ermordet. Die zweite Tochter Elisabeth, verwitwete Gutmann, überlebte die Shoah nach Emigration über England in die USA.
Eintrag zu Wilhelm Samson im Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933–1945: https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=8024
Restitution:
Im April 2024 überließen Nachfahr*innen von Wilhelm Samson dem Münchner Stadtmuseum den Pastenheber als Schenkung.
Mehrere Familienmitglieder nahmen im Oktober 2025 an der Veranstaltung „Munich Roots“ des Münchner Stadtmuseums teil: https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/munich-roots
Zugang
Ankauf
1939
Creditline
Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst