Titel / Kurzbeschreibung
Jungfrauenbecher im Nürnberger Stil des 16. Jahrhunderts
Datierung
um 1880
Objektart
Becher
Material
Silbertreibarbeit, vergoldet
Maße
15 cm
Ausgestellt
nein
Sammlung
Angewandte Kunst
Inventarnummer
K-39/992
Provenienz
Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
Im Bestand des Münchner Stadtmuseums Sammlung Angewandte Kunst befanden sich bis 2023 140 Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe, die das Museum in den Jahren 1939 und 1940 vom Städtischen Leihamt erworben hatte. Grundlage war die reichsweit erlassene „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21. Februar 1939. Diese zwang Jüdinnen*Juden, alle Gegenstände aus den Edelmetallen Gold, Silber und Platin bei den örtlichen Leihämtern abzuliefern. Allein in München summierten sich die abgegebenen Wertgegenständen auf nahezu zehn Tonnen. Das Münchner Stadtmuseum erwarb insgesamt 212 Silberobjekte aus dieser Zwangsabgabe zu einem deutlich unter dem Marktwert liegendem Grammpreis. Im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren nach 1945 gab das Museum 69 Silbergegenstände an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurück. Weitere drei Objekte gelten als Kriegsverluste. Die 140 verbliebenen Silberobjekte im Museumsbestand wurden 2012 in die Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eingestellt. Neue Aktenfunde im Jahr 2022 ermöglichten die Zuordnung von 137 der 140 Objekte zu 46 Familien. Seitdem ist das Münchner Stadtmuseum damit befasst, die Familiengeschichten zu recherchieren, nach Erb*innen zu suchen und die Objekte zu restituieren.

Zu den Silberobjekten aus der sogenannten Silberzwangsabgabe:
https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sammlungen/provenienz/silber

Die Herkunft des Objekts: Die Familie Meyer
Den Jungfrauenbecher musste Martha Meyer zwangsweise beim Städtischen Leihamt München abgeben, wo ihn das damalige Historische Museum am 18. November 1939 erwarb. Martha Meyer wurde am 13. Juli 1885 in Nürnberg als Tochter des Bankdirektors Max Meyer und seiner Frau Anna geboren. Sie besuchte vermutlich mit ihrer älteren Schwester Elise die Mädchen- und Kunstgewerbeschule und wurde Kunstgewerblerin. 1906 zog die Familie nach München. Über ihr weiteres Leben ist wenig bekannt. Später konvertierte sie zum Protestantismus, dies schützte sie jedoch nicht vor Verfolgung. Zwischen 1933 und 1941 wechselte sie siebenmal ihre Wohnung. Im September 1940 wurde ihre Schwester Elise von einer Pflegeheilanstalt in die „Tötungsanstalt“ Hartheim verlegt und ermordet. Am 20. November 1941 wurde Martha Meyer nach Kaunas deportiert und am 25. November 1941 ermordet.

Eintrag zu Martha Meyer im Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933–1945: https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=4855

Restitution:
Die persönliche Rückgabe des Jungfrauenbechers an die Nachfahr*innen von Martha Meyer erfolgte im Oktober 2024 in Österreich.
Zugang
Ankauf 1939
Creditline
Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst
Zitiervorschlag / Permalink
Silberfabrik (unbek.), vermutl. Hanau, Jungfrauenbecher im Nürnberger Stil des 16. Jahrhunderts, um 1880, Silbertreibarbeit, vergoldet, 15 cm, Münchner Stadtmuseum, Sammlung Angewandte Kunst
https://sammlungonline.muenchner-stadtmuseum.de/objekt/jungfrauenbecher-im-nuernberger-stil-des-16-jahrhunderts-10145819